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Die Eintracht trauert um Hein Liebenstund

Die Eintracht trauert um Hein Liebenstund: eine Legende, einen Vater und Großvater. In dieser schweren Zeit gilt unser tiefes Mitgefühl der Familie Liebenstund. Wir wünschen ihr viel Kraft und Zusammenhalt, um diesen schmerzvollen Verlust zu bewältigen.

Ein Nachruf von Oliver Berrer auf „Hein“ Liebenstund (1940–2026)

Der Name verpflichtet. Liebenstund steht bei der Eintracht für Tradition – und so ranken und wanken sich auch viele Geschichten um diesen Namen (siehe dazu auch das „Dribbling“ 100). Hein Liebenstund, Sohn des Mitgründers Franz Liebenstund, war ein herausragender Fußballer. Er durchlief Auswahlmannschaften und spielte für die Alemannia, für Borussia Brand – zu dieser Zeit eine Größe im Amateurfußball – und natürlich für die Eintracht. Für sie kam er auf mehr als 800 Einsätze.

Als es in den wilden 80er-Jahren turbulent zuging, stand Hein plötzlich wieder im Kader unserer ersten Mannschaft. Selbst mit fast 50 Jahren zog er noch die Schuhe für die damalige Zweite an. Fußballer eben. Durch und durch.

Wie es in einer Fußballerfamilie kaum anders sein kann, griff auch sein Sohn Ulli früh zu den Kickschuhen. Letztlich war dies mein erster Berührungspunkt mit Hein, denn dadurch wurde er mein Trainer. Der Fußball hat sich über die Jahre stark verändert – damals ging es gerade erst los mit der F-Jugend.

Wie die Kinder heute warteten auch wir sehnsüchtig auf das Auto des Trainers. Wenn Hein mit seinem Kombi und der „Wanne“ im Kofferraum zum Romerich kam, wurde seine Ankunft bejubelt. Zu mancher Auswärtsfahrt saßen wir hinten drin und wurden nicht nur in den Fußball, sondern vor allem in das Liedgut der Eintracht eingeführt. Gesanglich waren die meisten von uns deutlich besser als auf dem Platz. Prägende Erlebnisse, die mir auch fast 50 Jahre später noch immer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern.

Doch Hein war in Kornelimünster mehr als Fußballer. Er betrieb eine Metzgerei, führte mit seiner Frau Gerti eine Kneipe und war ein echter Ur-Münsteraner, der – wenn er am Romerich war – auch gerne mal grantelte. In späteren Jahren war Hein mal mehr, mal weniger am Romerich präsent. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich ihn getroffen habe, oft und vor allem beim Besuch des Hallenturniers um den Franz-Liebenstund-Pokal. Es blieb immer Zeit für ein nettes Pläuschen, auch weil ich zwei seiner Enkel, David und Kai, trainieren durfte.

„Hein“ hat mich bei den ersten Schritten zu meiner Leidenschaft, dem Fußball, und zu meinem Verein, der Eintracht, begleitet.

Hein Liebenstund, eine Eintracht-Legende, verstarb am 7. Januar im Alter von 85 Jahren.